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Stottern
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Stottern (auch Balbuties, von lateinisch balbutire âstotternâ) ist eine Störung des Redeflusses,cite-ref-1[1] welche durch hĂ€ufige Unterbrechungen des Sprechablaufs, durch Wiederholungen von Lauten, Silben und Wörtern gekennzeichnet ist.
Charakteristisch fĂŒr Stottern ist das situationsabhĂ€ngige Auftreten der Symptomatik, wobei Symptomfreiheit nicht selten im Wechsel mit starkem Stottern stehen kann. NervositĂ€t gilt nicht als Auslöser, kann jedoch in manchen FĂ€llen Folge des Stotterns sein. Dieser Artikel befasst sich mit dem sogenannten idiopathischen Stottern (englisch persistent developmental stuttering),cite-ref-benecken04-2-0[2] das vom Stottern mit bekannter psychischer oder physischer Ursache abzugrenzen ist.
Nach neuen Erkenntnissen von Sprachwissenschaftlern der Purdue University/USA basiert die Störung nicht oder nicht nur auf einer motorischen Fehlfunktion, sondern beruht auch auf einer anderen Verarbeitungsstruktur des Gehirns bei Stotterern. Stottern gilt als therapierbar (Linderung der Symptome), jedoch nicht als heilbar (Beseitigung der Ursache).cite-ref-3[3]
Contents
⹠PhÀnomenologie
âą Innere Symptome
âą Diagnose
âą Epidemiologie
âą Ursache
âą Therapie
âą Geschichte
âą Allgemeines
âą Mentaler Ansatz
âą Mobile Apps
⹠Weitere AnsÀtze
âą Filmografie
âą Musik
⹠Hörfunk
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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PhÀnomenologie
ĂuĂere Symptome
Zu den primÀren Symptomen zÀhlen:
⹠VerlÀngerungen von Lauten (sogenannte Dehnungen),
⹠stumme oder hörbare Blockaden (auch tonisches Stottern genannt),
⹠wiederholte zwischengeschobene Laute lÀnger als zwei Sekunden (sog. Interjektionen).cite-ref-6[6]
Zu den sekundÀren Symptomen gehören:
âą Vermeidungsverhalten und
âą Fluchtverhalten.
Ein Vermeidungsverhalten versucht durch Vermeidung von Lauten, Wörtern, Sprechsituationen und Ă€hnlichen Reaktionen dem Stottern im Voraus auszuweichen. HĂ€ufig werden als schwierig empfundene Wörter durch Synonyme ersetzt oder ganze SĂ€tze umstrukturiert. Im Gegensatz dazu soll ein Fluchtverhalten auftretende primĂ€re Symptome ĂŒberwinden. Erhöhte Anspannung der Sprechmuskulatur oder einer anderen Muskulatur, auch Grimassieren oder ruckartige Bewegungen können Anzeichen eines Fluchtverhaltens sein.
Innere Symptome
Innere Symptome sind solche, die fĂŒr den Zuhörer nicht direkt beobachtbar sind. Es handelt sich um negative GefĂŒhle, Gedanken und Einstellungen, die als Reaktion auf das Stottern entstehen.
Der Einfluss von Stottern auf die betroffene Person kann sehr erheblich sein. Gerne wird es mit einer Analogie zu einem Eisberg beschrieben, mit den unmittelbar hörbaren und sichtbaren Symptomen des Stotterns ĂŒber der Wasserlinie und einer umfassenderen Menge an Symptomen versteckt unter der OberflĂ€che.cite-ref-7[7] Ăbliche Folgen des Stotterns sind Ăngste, bestimmte Vokale oder Konsonanten auszusprechen, Ăngste, in sozialen Situationen zu stottern, Selbstisolation, Angst, Stress, Frustration, SchamgefĂŒhle, niedriges SelbstwertgefĂŒhl, mögliches Opfer von Mobbing zu sein (besonders bei Kindern), ein GefĂŒhl von âKontrollverlustâ oder das Nutzen von Wortersetzungen und der Umstellung des Satzbaus, um das Stottern zu verbergen.cite-ref-8[8] Mit der Zeit kann ein wiederaufkehrendes Erleben von schlechten Sprecherfahrungen zu einem negativen SelbstverstĂ€ndnis und Selbstbild fĂŒhren. Zudem projizieren Stotternde möglicherweise ihre eigenen Einstellungen auf AuĂenstehende, indem sie denken, andere hielten sie fĂŒr nervös oder dumm. Diese GefĂŒhle und Einstellungen sind hĂ€ufig der Hauptfokus in Behandlungen.cite-ref-guitar-9-0[9]cite-ref-en-wp-stuttering-10-0[10]
Diagnose
Die Diagnose Stottern wird gestellt, wenn typische Symptome in einem erheblichen AusmaĂ vorhanden sind. GemÀà ICD-10cite-ref-12[12] soll Stottern diagnostiziert werden, wenn Symptome wie Wiederholungen und Dehnungen von Sprachelementen und hĂ€ufige Pausen anhaltend oder wiederholt auftreten, zu einer deutlichen Unterbrechung des Sprachflusses fĂŒhren und die Störung mindestens drei Monate andauert.
Bei der Diagnose sollte darauf geachtet werden, dass reprĂ€sentative Daten bezĂŒglich der SprechflĂŒssigkeit erhoben werden, da manche Klienten in der diagnostischen Situation flĂŒssiger sprechen als in Alltagssituationen. Daher sollten der Klient oder dessen Angehörige ĂŒber die SprechflĂŒssigkeit im Alltag befragt werden. Auch Tonaufnahmen aus Alltagssituationen können hilfreich sein.
Differentialdiagnose:
Das Stottern muss von folgenden Störungen unterschieden werden:
âą Physiologische RedeunflĂŒssigkeit: Bei Kindern mit UnflĂŒssigkeiten muss entschieden werden, ob es sich um normale UnflĂŒssigkeiten (fĂ€lschlich oftmals als Entwicklungsstottern bezeichnet) oder um pathologisches Stottern handelt.
⹠Poltern: Eine Redeflussstörung, die durch erhöhtes Sprechtempo und undeutliche Aussprache gekennzeichnet ist.
âą Erworbenes Stottern: Ein Stottern, das beispielsweise auf ein psychisches oder physisches Trauma oder auf eine neurologische Erkrankung zurĂŒckgeht, ist kein Stottern im hier beschriebenen (idiopathischen) Sinne.
In den letzten zehn Jahren wurde eine prĂ€ventive Intervention an Kindern unter fĂŒnf Jahren erprobt. Diese Studie, die Antonio Bitetti auf dem Kongress der American Psychological Association (A.P.A.) 2022 in Minneapolis, Minnesota (USA), vorstellte, zeigte, dass es möglich ist, bei Kindern mit Sprachstörungen im Alter zwischen zwei und fĂŒnf Jahren therapeutisch zu intervenieren, indem die emotionale Dynamik im familiĂ€ren Kontext bearbeitet wird. Damit wurden die Grundlagen gelegt, um eine Chronifizierung des sogenannten âprimĂ€ren Stotternsâ zu verhindern. Diese therapeutische Arbeit wird direkt mit den Eltern durchgefĂŒhrt, ohne das Kind mit Sprachstörungen direkt einzubeziehen. Durch die Interpretation der inneren Dynamik des Familienkerns werden die Emotionen, die das Kind zur Entwicklung des Problems treiben, geklĂ€rt. Diese Symptomatik, die von vielen als Sprachstörung angesehen wird, ist in Wirklichkeit ein eindeutig psychologisches Symptom. PrimĂ€res Stottern kann sich, wenn es nicht richtig behandelt wird, in einem bestimmten Prozentsatz der FĂ€lle zu sogenanntem âsekundĂ€remâ oder âechtemâ Stottern entwickeln.cite-ref-13[13]
Epidemiologie
Die LebenszeitprĂ€valenz des Stotterns betrĂ€gt etwa fĂŒnf Prozent, die PunktprĂ€valenz bei Ă€lteren Kindern und Erwachsenen etwa ein Prozent.cite-ref-ptok-al06-4-2[4]cite-ref-14[14] Bei Kindern betrĂ€gt das VerhĂ€ltnis von Knaben zu MĂ€dchen etwa 2:1. Das entsprechende VerhĂ€ltnis bei Erwachsenen betrĂ€gt 4:1 bis 5:1. Personen mit neurologischen Erkrankungen, zum Beispiel Epilepsie, sind hĂ€ufiger betroffen.
Verlauf und Prognose
Stottern beginnt immer vor dem zwölften Lebensjahr, bei der HĂ€lfte der Betroffenen zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr, bei 90 Prozent vor dem sechsten Lebensjahr. Ein GroĂteil der stotternden Kinder verliert die Störung bis zur PubertĂ€t. Bei MĂ€dchen beginnt das Stottern frĂŒher, sie verlieren es aber auch mit gröĂerer Wahrscheinlichkeit wieder. Nach der PubertĂ€t ist eine vollstĂ€ndige Remission unwahrscheinlich bis unmöglich. Eine Besserung mit oder ohne Therapie kann jedoch in jedem Alter vorkommen.
Ursache
Die Ursache (medizinisch: Ătiologie) des Stotterns ist nicht geklĂ€rt. Es gibt eine Vielzahl von Theorien, welche die Ursachen oder die Entstehung des Stotterns zu erklĂ€ren versuchen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es fĂŒr keine dieser Theorien ausreichende Belege.
Die bestehenden Theorien lassen sich einteilen in psychodynamische, genetische, neuropsychologische, Breakdown- und Lerntheorien.
âą Psychodynamische Theorien gehen davon aus, dass unbewusste Konflikte oder Ziele zum Stottern fĂŒhren, etwa das Ziel, Aufmerksamkeit oder FĂŒrsorge zu erhalten. Ein Beispiel ist die Theorie Theo Schoenakers, welche auf der Individualpsychologie Alfred Adlers beruht. In der akademischen Sprechwissenschaft gelten psychodynamische Theorien im Allgemeinen als widerlegt.
⹠Genetische Theorien gehen von einer vererbten Disposition aus, welche die Entwicklung des Stotterns wahrscheinlicher macht. In Zwillingsstudien zeigt sich etwa, dass die Konkordanz bei eineiigen Zwillingen höher ist als bei zweieiigen. Genetische Theorien können nicht das gesamte PhÀnomen Stottern erklÀren.
⹠Neuropsychologische Theorien nehmen an, dass sich das Gehirn bei Stotternden anders entwickelt als bei Normalsprechenden, woraus das Stottern resultiert. Einige Studien haben beispielsweise festgestellt, dass Stotternde eine weniger stark ausgeprÀgte Lateralisierung der Sprachverarbeitung haben als Normalsprechende. Neuropsychologische Studien sind oft korrelativ, weshalb sie keine befriedigende Interpretation von Kausalbeziehungen zulassen.
âą Breakdown-Theorien besagen, dass die Ressourcen zur Verarbeitung von Sprache und Sprechen bei Stotternden den Anforderungen nicht genĂŒgen, was zum Zusammenbruch (Breakdown) der Sprechverarbeitung fĂŒhre. FĂŒr diese Theorien spricht etwa, dass Stotternde hĂ€ufiger als Normalsprechende Sprachentwicklungsstörungen und andere Sprachstörungen haben.
âą Lerntheorien erklĂ€ren die â vor allem sekundĂ€re â Symptomatik durch eine Kombination aus klassischer und operanter Konditionierung. Klassische Konditionierung erklĂ€rt demnach die VerknĂŒpfung des PrimĂ€rstotterns mit sekundĂ€ren Verhaltensweisen: Die wiederholte Kopplung primĂ€rer mit sekundĂ€ren Verhaltensweisen fĂŒhrt dazu, dass die sekundĂ€ren Verhaltensweisen durch die primĂ€ren automatisch ausgelöst werden. Operante Konditionierung erklĂ€rt, warum Vermeidungsverhalten gezeigt wird: Vermeidungsverhalten fĂŒhrt zu erhöhter Angst und wird daher verstĂ€rkt, womit die Wahrscheinlichkeit solchen Verhaltens steigt.
Therapie
Geschichte
Erste Verdienste bei der Entwicklung einer Therapie erwarb sich der französische Arzt Marc Colombat de LâIsĂšre (1797â1851).
Allgemeines
Eine vollstĂ€ndige Heilung â als absolute Symptomfreiheit in allen Situationen â ist beim Stottern insbesondere im Erwachsenenalter schwer oder gar nicht erreichbar. Da das Stottern fĂŒr die Betroffenen oft eine schwere EinschrĂ€nkung darstellt, sind die vielen AnsĂ€tze, welche meist innerhalb weniger Tage eine Heilung versprechen, unseriös. Es ist vor einer Therapie daher ratsam, unabhĂ€ngigen Rat von Fachleuten einzuholen, die keine kommerziellen Interessen verfolgen.
Modifikationsansatz
Dieser verhaltenstherapeutische Ansatz basiert auf der Annahme, dass Stottern grundsĂ€tzlich nicht heilbar ist, da die neuronale Grundstruktur des Sprechens eines Erwachsenen mit ihren motorischen, psychogenen und teilweise neurotischen EinflĂŒssen soweit ausgeprĂ€gt ist, dass grundlegende Ănderungen unmöglich sind. Der Ansatz zielt daher primĂ€r darauf ab, die stotternde Sprechweise anzunehmen, mit ihr zu leben und sie explizit zu modifizieren zu lernen. Die Vorgehensweise ist verhaltenstherapeutisch angelegt und umfasst Aspekte wie
âą Annahme und Identifikation,
âą Desensibilisierung, siehe hierzu auch Pseudostottern,
âą Modifikation der Symptomatik,
âą Situations- und Kommunikationstraining.
Dieser Ansatz wurde in den 1930er Jahren an der University of Iowa entwickelt. Hauptvertreter ist der US-Amerikaner Charles Van Riper (1905â1994), der als einer der BegrĂŒnder der speech-language pathology in den USA gelten kann (akademischer Beruf mit Studium an der Philosophischen FakultĂ€t, daher mit LogopĂ€den nicht zu vergleichen, eher mit klinischen Sprechwissenschaftlern). Ein GroĂteil seiner Schriften befasst sich mit dem Thema Stottern.
Sprechtechnischer Ansatz
DemgegenĂŒber steht ein Ansatz, der sich im Hinblick auf Anleihen aus Gesangs-, Atem- und Stimmtechnik auf das Erlernen einer âneuenâ Sprechweise richtet. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Mehrheit der Stotternden beim Singen oder beim Sprechen im Chor keine Probleme hat, werden klangvolleres Sprechen, Tongebung, Atemtechnik und rhetorische Aspekte eingeĂŒbt. Die BegrĂŒnder und Weiterentwickler dieses Ansatzes sind etwa Karl Hartlieb, Oscar Hausdörfer, Ronald Muirden, Erwin Richter, Rudolf Denhardt, P. A. Kreuels und Leonard del Ferro. Eventuell kann auch eine elektronische Sprachflusshilfe eingesetzt werden.
Mentaler Ansatz
Mit dieser ĂŒberwiegend mentalen (gedanklichen) Methode, die ihren Ursprung im Leistungssportbereich hat, sollen das Sprechen angstfrei in geordneten Bahnen neu und natĂŒrlich gelernt und die alten Stotterstrukturen ĂŒberlernt werden. Durch regelmĂ€Ăiges Lesen und Umsetzen der autosuggestiven und wohltuenden LeitsĂ€tze soll das Unbewusste in die gewĂŒnschte Richtung eines individuellen und flĂŒssigen Sprechens gebracht werden. BegrĂŒnder der Ropana-Methode ist Roland Pauli. Eine andere Methode ist die Hausdörfer-Technik, bei der ein Mensch anstreben mĂŒsse, zum Phlegmatiker zu werden.cite-ref-15[15]
Die Idee zu akzeptieren, dass Stottern ein Sprachproblem ist, ist zu reduzierend, da der Stotternde tief im Inneren weiĂ, dass er gut sprechen kann, jedoch unter bestimmten Bedingungen. Diese Bedingungen bestehen darin, sich nicht von anderen beurteilt zu fĂŒhlen und vor allem eine Ăberlegenheit gegenĂŒber dem GesprĂ€chspartner zu empfinden. In der Tat, im Falle eines gleichwertigen VerhĂ€ltnisses, stottert der Stotternde bis zu einem gewissen Punkt; jedoch stottert er viel mehr, wenn er sich mit Personen befindet, die er als autoritĂ€r oder ĂŒberlegen ansieht, wie zum Beispiel im VerhĂ€ltnis zwischen SchĂŒler und Lehrer. Er zieht jedoch groĂen Vorteil daraus, sich in einer ĂŒberlegenen Position zu befinden, und in diesem Fall stottert er nur wenig oder gar nicht. Das SchlĂŒsselelement im Dynamismus des Stotterns oder des Stotternden in seiner Persönlichkeit ist seine Tendenz, die eigene Sprache zu kontrollieren, weil sie mit Emotionen durchzogen ist, die Wut beinhaltencite-ref-16[16].
Je mehr kontrolliert wird, desto mehr wird gestottert; die Symptomatik des Stotterns ist direkt proportional zum Grad der Kontrolle, der zu einer Last wird. Der Mund sollte freigelassen werden, er muss nicht stĂ€ndig kontrolliert werden; wenn jedoch diese Freiheit blockiert wird, hat dies einen gegenteiligen Effekt zur normalen menschlichen Physiologie. Kontrolle ist per se ein Mechanismus, der der Freiheit des Handelns entgegensteht und verhindert, dass dem Stotternden die Möglichkeit gegeben wird, frei zu sprechen. Der Stotternde ist viel aufmerksamer, oder besser gesagt ĂŒbermĂ€Ăig aufmerksam auf die Art und Weise, wie er sich im Moment der Interaktion ausdrĂŒcken wird. In dem perfektionistischen Anspruch, die beste konzeptionelle und expressive Ausarbeitung zu finden, stolpert er, und es ist fast so, als wĂŒrde er im entgegengesetzten Fall auflaufen und somit stotterncite-ref-17[17].
Psychotherapie bei Stottern
Verschiedene Denkrichtungen diskutieren seit langem ĂŒber den Umgang mit Stottern. Der rehabilitativ oder symptomatische Aspekt des Problems ĂŒberwiegt, das heiĂt es besteht die Tendenz, die Sprache durch Techniken zu verbessern, die die verbale FlĂŒssigkeit verbessern. Eine neue Denkrichtung, die seit 1997 von Antonio Bitetti eingefĂŒhrt wird, befasst sich stattdessen nicht nur mit dem Symptom des Stotterns, sondern behandelt auch die kognitiven und emotionalen Aspekte des Stotternden mithilfe eines Therapiemodells namens âIntegrierter Ansatzâ. Diese Forschung wurde auch auf dem Kongress der American Psychological Association (A.P.A.) vorgestellt, der im August 2022 in Minneapolis, Minnesota (USA) stattfand. AnlĂ€sslich dieser Gelegenheit bekrĂ€ftigte der Psychologe und Psychotherapeut Antonio Bitetticite-ref-18[18] die Theorie, dass Stottern nur der manifeste Teil einer Tendenz des Stotterers ist, schlecht ĂŒber sich selbst zu denken und das Urteil anderer stark zu fĂŒrchten. Dabei wurde auch ein wichtiger Aspekt, die Kontrolle der Stimmgebung, erwĂ€hnt. Der Stotterer stottert also, weil er versucht, etwas zu kontrollieren, das absolut nicht kontrolliert werden sollte, nĂ€mlich seine eigene Sprache. Die Therapie mit dem âIntegrierten Ansatzâ ermöglicht es dem Stotterer zu ermöglichen, seine Störung ganzheitlich zu betrachten, mit dem Ziel, dem Stotterer bewusst zu machen, wie er seinen emotionalen und relationalen Teil am besten organisieren kann.
Mobile Apps
FĂŒr die Stottertherapie bestehen spezielle mobile Apps und PC-Programme. Der Zweck der Anwendungen dieser Art ist es, den Sprachkreis âich sage â ich höre zu â ich baue die Phrase â ich sage etc.â unter Verwendung verschiedener Methoden der Stotterkorrektur wiederherzustellen.cite-ref-3-19-0[19]
Unter den Methoden der Korrektur des Stotterns in Anwendungen werden am hÀufigsten verwendet:
âą Maskierung der akustischen RĂŒckkopplung (englisch MAF â Masking auditory feedback). Dies stellt sich eine Maskierung durch âweiĂes Rauschenâ oder Sinusrauschen eigener Rede des Benutzers dar. Die Wissenschaftler glauben, dass Stotterer besser sprechen können, wenn sie ihre eigene Sprache nicht hören. Diese Methode gilt als veraltet und wenig effektiv.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
âą Verzögerung der akustischen RĂŒckkopplung (englisch DAF â Delayed auditory feedback). Diese Methode basiert darauf, dass die Stimme des Benutzers vom Mikrofon mit einer Verzögerung von Sekundenbruchteilen an die Kopfhörer ausgegeben wird. Der Zweck der Methode besteht darin, den Stotternden beizubringen, Vokale zu dehnen und die Sprachgeschwindigkeit zu verringern. Nach der Sprachkorrektur fĂŒr lange Verzögerungen wird auf kleinere Verzögerungen abgestimmt, wodurch die Sprachgeschwindigkeit erhöht wird, bis sie sich normalisiert.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]
âą Ănderung der akustischen RĂŒckkopplungsfrequenz (englisch FAF â Frequency-shifted auditory feedback). Das Verfahren besteht darin, die Frequenz des Sprachtons, den der Benutzer hört, im Vergleich zu seiner eigenen Stimme zu verschieben. Die Intervalle der Verschiebung können von wenigen Halbtönen bis zu einer halben Oktave variieren.cite-ref-26[26]cite-ref-27[27]cite-ref-28[28] Die Methoden des DAF und des FAF beruhen auf der Beobachtung, dass Stotterer einen Text fehlerfrei lesen können, wenn sie ihn in einer Gruppe â mindestens zu zweit â synchron sprechen. Wird dem Stotterer die eigene Rede mit einer zeitlichen Versetzung um wenige Hundertstelsekunden und vorzugsweise auch einer Frequenzverschiebung ĂŒber einen Kopfhörer zurĂŒckgespielt, erhĂ€lt der Betroffene durch dieses Echo den Eindruck, als sprĂ€che ein weiterer Mensch mit, was das eigene Sprechen erleichtern kann.cite-ref-29[29]
âą Verwendung von Metronom- und Tempo-Korrektoren. Diese Methode verwendet die rhythmischen SchlĂ€ge eines Metronoms. Die Wirksamkeit der Methode ist darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass sich die Rhythmik positiv auf den stotternden Menschen auswirkt, besonders wenn er in einem langsamen Tempo spricht.cite-ref-30[30]
âą Verwendung einer visuellen RĂŒckkopplung. Diese Methode basiert darauf, dass die Sprachparameter des Benutzers (z. B. Redetempo) gemessen und als visuelle Informationen auf einem Bildschirm angezeigt werden. Der Hauptzweck der Methode ist es, dem Benutzer zu ermöglichen, die Stimme effektiv zu verwalten, indem er die vorgegebenen Zielparameter erreicht. Es wird davon ausgegangen, dass der Benutzer wĂ€hrend des Prozesses der Aussprache auf dem Bildschirm eine visuelle Darstellung sowohl der aktuellen als auch zielgebunden Parameter sieht.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]
âą Verwendung von vorgefertigten oder gereimten Texten. Das Verfahren geht davon aus, dass das Lesen von speziell vorbereiteten oder gereimten Texten einer Person hilft, den Sprachfluss wiederherzustellen und damit den Sprachkreisabriss zu beseitigen.
Die Vergleichseigenschaften verschiedener mobiler Apps zur Behandlung von Stottern sind in der folgenden Tabelle aufgefĂŒhrt:
| | LOGOPĂDIE. ERGOTHERAPIE. | Stuttering Speech Therapy - DAF-Logotherapy | Zaikanie.NET | BREATHMAKER | DAF Professional | MPiStutter | axSoft Speech corrector | Stamurai - Stuttering / Stammering Treatment App | Speech Jammer | Kekemelik Egzersizleri |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Betriebssystem | iOS | Android | Windows | Windows | Android iOS | iOS | Android Windows | Android | iOS | Android |
| DAF | + | + | + | + | + | + | + | + | + | |
| FAF | + | | + | + | + | + | | | | |
| Metronom | + | + | | | | | | | | |
| Vibro-Metronom | + | | | | | | | | | |
| Text reimen | + | | + | | | | | + | + | + |
| Sprache Geschwindigkeit | + | | | + | | + | | | | |
| Gesichtsbehandlung anzeigen AusdrĂŒcke von der Kamera | + | + | | | | | | | | |
| Timer | + | + | | | | | | | | |
| Hintergrund Modus | + | + | + | + | + | + | + | | | |
Weitere AnsÀtze
Viele weitere Therapien und therapeutische AnsĂ€tze fokussieren auf Teilaspekte wie Atemtechnik, Stimmgebrauch und Klangerzeugung oder arbeiten mit Hilfsmitteln wie Hypnose. Allerdings ist die Fachwelt uneins ĂŒber die Wirksamkeit dieser AnsĂ€tze, obwohl in der medialen Ăffentlichkeit immer wieder âgeheilteâ Klienten vorgefĂŒhrt werden.
Ăffentliche Wahrnehmung
Welttag des Stotterns
In der Zeit vom 1. bis 22. Oktober jeden Jahres findet eine internationale Onlinekonferenz Stotternder statt, an deren Ende der 1998 erstmals ausgerufene Welttag des Stotterns (22. Oktober) steht. Seit 2009 ist das Stuttering Awareness Ribbon, ein zur Schleife gelegtes meergrĂŒnes Band, das Symbol dieser Veranstaltung. Ziel der Initiativen ist es, die Aufmerksamkeit Nichtbetroffener auf die Probleme der Stotternden zu lenken; die Farbe MeergrĂŒn steht fĂŒr die Beruhigung, die der Stotternde erfĂ€hrt, wenn er verstĂ€ndnisvollen Umgang findet.cite-ref-33[33]
Filmografie
Der 2010 erschienene Spielfilm The Kingâs Speech thematisiert das Stottern von König Georg VI. und einen möglichen Therapieansatz.
2018 erschien der Dokumentarfilm Mein Stottern,cite-ref-34[34] der das Thema aus der Innenperspektive darstellt, indem er verschiedene Betroffene und ihre Strategien mit dem Stottern in den Blick rĂŒckt.
Musik
Mike KrĂŒger besang in seinem Lied M-M-M-MĂ€del sich selbst und den Umstand, dass er beim Ansprechen von Frauen ins Stottern gerĂ€t, Benâs Brother thematisierten das Stottern 2008 in ihrem Lied Stuttering, ebenso Ganz Schön Feist in ihrem LogopĂ€dentango. Weitere Interpreten, die das Stottern in ihren Liedern thematisierten, sind der 1999 verstorbene Scatman John und John Lee Hooker (Stuttering Blues).
Hörfunk
Es gab und gibt deutschlandweit mehrere von Lokalradios regelmĂ€Ăig ausgestrahlte Sendungen, die sich mit dem Thema Stottern beschĂ€ftigen und von Stotternden moderiert werden. Die erste dieser Sendungen war der Stotterfunk auf dem Sender Freies Radio fĂŒr Stuttgart. Er richtet sich an stotternde Hörer und ist als Organ innerhalb der Selbsthilfe gedacht.cite-ref-35[35] Die Sendung Schöner Stottern auf LORA MĂŒnchen richtete sich bewusst an eine breitere Hörerschaft und war acht Jahre lang on air. Die letzte Sendung wurde 2015 gesendet.cite-ref-36[36] Eine weitere Sendung nannte sich Holper Stolper und wurde bis 2017 von Radio free FM ĂŒbertragen.cite-ref-37[37]
Prominente Stotternde
Zahlreiche Prominente stotterten, darunter Rowan Atkinson, Georg VI. (Vereinigtes Königreich), Winston Churchill, Marilyn Monroe, Bruce Willis und Joe Biden.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39]
Siehe auch
Literatur
âą Ulrich Natke, Anke Alpermann: Stottern. Erkenntnisse, Theorien, Behandlungsmethoden. 3. Auflage. Huber, Bern 2010, ISBN 978-3-456-84891-4.
âą Christopher Wartenberg: Eine Kulturgeschichte des Stotterers. Waxmann, MĂŒnster 2022, ISBN 978-3-8309-4527-7.
âą Wolfgang Wendlandt: Stottern im Erwachsenenalter. Grundlagenwissen und Handlungshilfen fĂŒr die Therapie und Selbsthilfe. Thieme, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-129031-1.
Weblinks
Wiktionary: Stottern
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe e. V.
âą International Stuttering Association (englisch)
âą Risiken und Störungen in der Sprachentwicklung frĂŒhzeitig erkennen. Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung
âą S3-Leitlinie Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Phoniatrie und PĂ€daudiologie e. V. (DGPP). In: AWMF online (Stand 2016)
Einzelnachweise
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